Anne Marie Baral – Illustration: Noa Snir
Illustration: Noa Snir

Anne Marie
Baral

Seidenbauerin und Ausbilderin, 1728 – 1805

FrauenOrt in Potsdam

Selfmade-Woman im Seidenbau. Anne Marie Baral fuchste sich selbst in die Seiden­produktion ein. Von der neben­beruflichen Aushilfskraft wurde sie innerhalb einiger Jahre zur gefragten Hasplerin, Ausbilderin und königlichen Seiden­produzentin.

Anne Marie Baral

Anne Marie Laval stammte aus einer Familie französischer Glaubens­flüchtlinge. Mit 19 Jahren heiratete sie in Potsdam den Wollweber Jean Pierre Baral. Die beiden hatten in ihrer Ehe viel Unglück zu verkraften. Sieben gemeinsame Kinder brachte Anne Marie zur Welt. Fünf von ihnen starben im Alter von vier bis achtzehn Monaten. Nur zwei Töchter erreichten das Erwachsenenalter.

Beruflich unterstütze Anne Marie zunächst die Arbeit ihres Mannes im Textilgewerbe und als Malerin auf dem Bau. Im Handwerk war es üblich, dass die Ehefrau das Gewerbe in der Familie lernte und auch ohne Gesellen- oder Meisterbrief im Betrieb mit anpackte.

Seidenbauerin und Ausbilderin

Reich wurde die Familie von den Aufträgen des Mannes nicht. Anne Marie Baral begann nebenbei, das Familieneinkommen aufzubessern. Sie arbeitete auf den Maulbeer­plantagen des Potsdamer Waisenhauses, in der Versorgung der Seidenraupen und als Hasplerin. Beim Haspeln wird der mehrere hundert Meter lange Seidenfaden vom Kokon abgewickelt. Damit das klappt, braucht es einiges an Wissen und Geschick. Anne Marie Baral hatte die Technik raus und wurde allmählich zu einer gefragten Ausbilderin. Als einzige Frau in Potsdam unterrichtete sie Lehrjungen, aber auch bürgerliche Frauen im Haspeln.

Königliche Seidenproduzentin

Seide war im Preußen des 18. Jahrhunderts ein großes Thema. Der König hoffte, durch eigenen Seidenanbau von Importen unabhängig zu werden und ließ auf dem Jägerhof im Norden Potsdams eine Versuchsanstalt aufbauen. Anne Marie Baral, inzwischen verwitwet, erhielt hier eine Leitungsstelle auf Lebenszeit.

Die Arbeitsbelastung war hoch und das Wetter in Brandenburg für die Seidenproduktion nicht optimal. In dutzenden Holzregalen wurden die Seidenraupen herangezogen, mehrmals täglich musste das Futterlaub gewechselt werden. An den Lieferungen von Maulbeerblättern hatte die Chefin oft etwas auszusetzen, zu wenig, zu spät, zu schlechte Qualität. Aber trotz einiger Rückschläge wurde sie zu einer der wichtigsten Seidenproduzent*innen in Potsdam.

„Bitte Euer Hochwohlgeboren denen Leuten scharf anzubefehlen, daß selbige fleißiger schneiden und ich mehr Futter [für die Seidenraupen] bekomme.“

Anne Marie Baral (1)
Ehemalige kurfürstlichen Fasanerie, späterer Jägerhof (heute Justizzentrum) als Ort zur Raupenzucht (2)

FrauenOrt in Potsdam

14459 Potsdam, ehemaliger Jägerhof, Wirkungsstätte von Anne Marie Baral

52.40508°N, 13.05387°E / Google Maps / Open Streetmap

Weiterführende Links, Literatur & Podcast

Podcast der Uni Potsdam: Wege unsichtbarer Heldinnen

Downloads

FrauenOrte Tafel von Anne Marie Baral (PDF)



Fußnoten & Quellenangaben

  1. Anne Marie Baral an den kurmärkischen Steuerrat am 18. Mai 1791 | Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Pr. Br. Rep. 22, Nr. 2
  2. Johann Gottfried Böck: Kolorierter Kupferstich, Objekt aus Potsdam Museum – Forum für Kunst und Geschichte