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Maria Margaretha Kirch groß

Maria Margaretha Kirch

1670-1720 | Astronomin

 

FrauenOrt Maria Margaretha Kirch: Rathaus Guben, Gasstr. 4, 03172 Guben

 

Am 25. Februar 1670 wird Maria Margaretha Winckelmann als Tochter des Pfarrers Matthias Winckelmann und seiner Frau Maria geb. Töllner in Panitzsch bei Leipzig geboren. Ihr Interesse an der Astronomie wird vom autodidaktischen Bauernastronomen Christoph Arnold entdeckt und entwickelt, so dass sie sogar für ihn arbeitet. In dieser Zeit lernt sie den 30 Jahre älteren Astronomen und Kalendermacher Gottfried Kirch kennen und heiratet ihn im Mai 1692. Das Paar zieht in Gottfrieds Geburtsstadt Guben und bekommt sechs Kinder, darunter 1694 Sohn Christfried und 1697 Tochter Christine.

 

Kein gleichwertiges Mitglied der Arbeitsgemeinschaft

 

Gottfried Kirch wird von der Kurfürstlich-Brandenburgischen Societät der Wissenschaften zu Berlin als Astronom eingestellt und so gehen er im Juni 1700 und wenig später die Familie nach Berlin. In all den Jahren arbeiten Maria und Gottfried gemeinsam an Beobachtungen, Berechnungen, Wetterbeobachtungen, Kalendern und Ephemeriden (Tabellen des täglichen Gestirnstandes). Allerdings wird sie immer als Assistentin und nicht als gleichwertiges Mitglied der Arbeitsgemeinschaft gesehen.

 

Entdeckung des Kometen C/1702H1

 

Am 21. April 1702 entdeckt Maria als erste Frau den Kometen C/1702H1. In der Öffentlichkeit wird jedoch Gottfried als Entdecker benannt. Unter eigenem Namen und in deutscher Sprache veröffentlicht sie später ihre Beobachtungen, z. B. jene der Aurora borealis, ein 1707 erschienenes Polarlicht.

 

Herstellung von Kalendern und Jahrbüchern

 

Nach dem Tod Gottfrieds 1710 holt sie ein Freund der Familie, Bernhard Friedrich Baron von Krosigk, an sein privates Observatorium. Gemeinsam mit ihren Kindern setzt sie die astronomische Tradition der Familie mit der Herstellung von Kalendern fort. Nach dem Tod Krosigks 1714 geht sie kurzzeitig nach Danzig, um dann wieder nach Berlin zurückzukehren. 1716/1718 schlägt sie ein Angebot von Zar Peter dem Großen aus. Sie bleibt in Berlin und stellt weiter Jahrbücher her.

 

Assistentin an der Berliner Sternwarte

 

1717 wird Sohn Christfried als Observator der Berliner Sternwarte berufen. Die Mutter und Schwester Christine werden seine Assistentinnen. Da Maria nach Auffassung der Akademiemitglieder sich nicht genügend im Hintergrund hält, ist sie gezwungen, das Haus auf dem Gelände des Observatoriums aufzugeben. Sie stirbt am 29. Dezember 1720 in Berlin. Ihr Sohn Christfried und seine Schwestern, insbesondere Christine, führen das astronomische Erbe der Kirchs fort.