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Frauen von Friedland

Helene Charlotte von Lestwitz und Henriette Charlotte von Itzenplitz, genannt Frauen von Friedland“

1754-1803 und 1772-1848 | Landwirtschaftsreformerinnen und Salonièren

 

FrauenOrt „Frauen von Friedland“: Musenhof, Dorfstr. 1, 16269 Bliesdorf OT Kunersdorf

 

Heinrich von Barfus und dessen Nachfahren bestimmen über 400 Jahre die Entwicklung des Rittergutes Cunersdorf. Carl Philipp Menzel erwirbt das Gut in den 1740er Jahren und verkauft es 1765 an den Obristen Hans Siegismund von Lestwitz, der von 1771 bis 1774 das Cunersdorfer Schloss errichten lässt.

 

Musterwirtschaft und geistig-kulturelles Zentrum

 

Nach dem Tod des Vaters übernimmt 1789 die Tochter Helene Charlotte von Lestwitz, die sich nach ihrer Scheidung „Frau von Friedland“ nennt, die Bewirtschaftung der Friedländschen Güter, zu denen auch Cunersdorf gehört, und entwickelt ein Mustergut. Sie ist eine bemerkenswerte märkische Gutsherrin, die als Landwirtschaftsreformerin gilt. Mit neuen Ackerbaumethoden erhöht sie den Ertrag ihrer sechs Wirtschaften und verbessert die Arbeitsbedingungen der Bauern, indem sie den Frondienst allmählich durch geregelte Lohnarbeit ersetzt. Sie legt eine umfangreiche Pflanzensammlung an, die von ihrer Tochter Henriette Charlotte von Itzenplitz weitergeführt wird. Die Tochter übernimmt nach dem Tod der Mutter 1803 die Musterwirtschaft und führt das gastfreundliche Haus fort. Es wird zum Anziehungspunkt von Künstlern, Wissenschaftlern und Literaten und ein bedeutendes geistig-kulturelles Zentrum in der östlichen Mark nach dem Vorbild der Berliner Salons um 1800. Adelbert von Chamisso wird nach Kunersdorf berufen und legt ein umfangreiches Herbarium an. Zusätzlich schreibt er 1813 die bekannte Märchennovelle „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“. Henriette Charlotte von Itzenplitz wird als kluge, charaktervolle, aber auch stolze Frau beschrieben, die Widerspruch nur bis zu einem gewissen Grad duldet.

 

Kunersdorfer Musenhof

 

Nach den Zerstörungen im 2. Weltkrieg sind nur die klassizistische Grabkolonnade auf dem Friedhof und die Dependance des ehemaligen Schlosses erhalten geblieben. An diesem traditionsreichen Ort entsteht mit Beginn des neuen Jahrtausends die Idee von der Belebung des „Kunersdorfer Musenhofes“ in Anlehnung an die kulturellen Bestrebungen der Frauen von Friedland.