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Wie ist das Projekt „FrauenOrte im Land Brandenburg“ entstanden?

Ausgangspunkt für das Projekt FrauenOrte im Land Brandenburg war ein Ausflug der finanzverantwortlichen Sprecherin des Frauenpolitischen Rates Land Brandenburg e.V., Sabina Scheuerer, in die Lutherstadt Wittenberg. Dort stellte sie fest, dass an vielen Gebäuden Tafeln angebracht sind, die an berühmte Menschen erinnern, die dort gelebt oder gearbeitet haben. Allerdings wurden mit Ausnahme einer Hebamme nur Männer gewürdigt. Frauen, die ebenso Besonderes und Herausragendes geleistet haben, schienen „nicht der Rede wert“ (Luise F. Pusch).

Ihren Ärger über die Unsichtbarkeit von Frauen und ihren Leistungen im öffentlichen Raum teilte Sabina Scheuerer mit der damaligen Geschäftsführerin des Frauenpolitischen Rates Bettina Panser. Diese wusste von den Projekten

FrauenOrte - Frauengeschichte in Sachsen-Anhalt, das im Rahmen der Expo 2000 entstanden war und bekannte und unbekannte Frauen aus Sachsen-Anhalt im öffentlichen Raum mit Tafeln würdigt, und

frauenORTE Niedersachsen, in dem seit 2008 in Zusammenarbeit mit Initiativen vor Ort FrauenOrte benannt werden.

So wurde die Idee geboren, das Projekt „FrauenOrte“ auch in Brandenburg durchzuführen.

2010 wurde das Projekt im Land Brandenburg im Rahmen des Themenjahres „Mut & Anmut. Frauen in Brandenburg-Preußen“ mit einer Förderung durch Kulturland Brandenburg e.V. und durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie begonnen. Seit 2011 wird das Projekt vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie weitergefördert. Ab 2011 hat Frau Dagmar Reim, die Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg, die Schirmherrschaft übernommen.

Um den roten Faden zum Nachbarland zu spinnen, wurde in Abstimmung mit den Frauen aus Sachsen-Anhalt das gleiche FrauenOrte-Logo, angepasst an die Farben des Frauenpolitischen Rates Land Brandenburg e.V., gewählt. Die grafische Gestaltung der Tafeln erfolgt durch Barbara Dimanski, Halle/Saale. Den Druck führt die Druckerei und Medienproduktion Thiel, Ludwigsfelde aus.

 

Was ist der Inhalt des Projekts?

Die Aufgabe, die sich der Frauenpolitische Rat gestellt hat, ist, Frauengeschichte als Teil von Landesgeschichte in das öffentliche Bewusstsein zu rücken. Frauen haben in Brandenburg - ebenso wie Männer - während ihrer Lebenszeit ihre Umgebung gestaltet und durch ihre Aktivitäten vielfältig und nachhaltig in sie hinein gewirkt. In der Geschichtsschreibung und in der öffentlichen Wahrnehmung tauchen sie jedoch - mit Ausnahme einiger Adelsvertreterinnen - so gut wie nicht auf. Damit wird wertvolles Wissen über die Geschichte und Entwicklung des Landes Brandenburg und den Beitrag von Frauen nicht genutzt.

Ziel des Projekts „FrauenOrte im Land Brandenburg“ ist es, bekannte, aber auch unbekannte Frauen zu würdigen, um das Leben und Wirken historischer Frauenpersönlichkeiten einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Gemeinsam mit Menschen vor Ort, die dieses Ziel unterstützen, wird durch das Aufstellen von Tafeln an das Leben und Wirken solcher Frauen erinnert, die ihrer Zeit voraus waren, die emanzipatorisch auf politischem, wissenschaftlichem, sozialem oder kulturellem Gebiet gewirkt haben und deren Erbe nicht in Vergessenheit geraten soll. Mit Hilfe der FrauenOrte wird Bekanntes, zum Teil Vergessenes und ebenso Alltägliches lebendig. Sie tragen zur Erweiterung der Geschichte(n) des Landes Brandenburg bei.

 

Welche Frauen werden gewürdigt?

Bei der Auswahl der Frauen werden sowohl verschiedene historische Zeitepochen als auch verschiedene soziale Schichten berücksichtigt, Wissenschaftlerinnen, frühe Politikerinnen, Künstlerinnen, Angehörige von Herrschaftshäusern und Frauen, die auf speziellen Gebieten eine Vorbildrolle eingenommen haben. Die FrauenOrte werden von interessierten Menschen vor Ort, den zukünftigen KooperationspartnerInnen, beim Frauenpolitischen Rat angemeldet. Dann entscheidet ein Beirat, der sich aus sachkundigen Frauen zusammensetzt, nach folgenden Kriterien über die Aufnahme als FrauenOrt:

  • Frauenpersönlichkeit, die im Land Brandenburg geboren ist oder gewirkt hat und nicht mehr lebt
  • politische, kulturelle, soziale oder wissenschaftliche Leistung der zu würdigenden Frau
  • Vorbildcharakter, positives Beispiel für den Kampf um die Gleichberechtigung
  • Beispiele für einzelne Berufs- und Handlungsfelder, die Frauen in ihrer Vielfalt und als aktiv Handelnde zeigen, sowie für die besondere  gesellschaftliche Entwicklung, in die Frauen Involviert waren
  • Einbettung in den aktuellen Stand der historischen Frauen- und Geschlechterforschung
  • konkreter Anlass für die Würdigung (Jubiläum o.ä.)
  • Bedeutung für den Bereich Kulturtourismus
  • bisherige Aktivitäten (z.B. Stadtrundgänge, Ausstellungen, Namensgebungen)

Bei einem positiven Votum geht es dann in die Umsetzung. Die KooperationspartnerInnen entscheiden über den Ort der Aufstellung und den Zeitpunkt der Enthüllung, arbeiten die Inhalte der Tafel zu und organisieren die Aufstellung und Enthüllung. Der Frauenpolitische Rat unterstützt - wenn nötig - mit Recherche und bei der Formulierung des Tafeltextes, produziert die Tafel, liefert sie, schreibt eine Pressemitteilung und beteiligt sich an der Enthüllung des FrauenOrtes.

 

Wie geht es nach der Enthüllung eines FrauenOrtes weiter?

Da es für die Nachhaltigkeit des Projektes nicht ausreicht, eine Tafel zu enthüllen und danach nichts mehr zu tun, bitten wir unsere KooperationspartnerInnen, schon vorhandene Aktivitäten zu der Frauenpersönlichkeit weiter zu verfolgen bzw. neue Aktivitäten zu entwickeln. Beispiele dafür finden Sie unter den schon vorhandenen FrauenOrten, z.B. das von Frau Beyer entwickelte Schattentheater zu Euphemia von Oels/Herzogin Offka in Bad Liebenwerda.

Um den Informationsaustausch und die Vernetzung der FrauenOrte zu fördern und Unterstützung bei der Entwicklung kulturtouristischer Konzepte zu leisten, hat der Frauenpolitische Rat in den Jahren 2011 und 2012 je eine Tagung unter dem Titel „FrauenOrte in Bewegung“ durchgeführt.