Internationales Ravensbrück Komitee Illustration: Patricia Vester

Internationales Ravensbrück Komitee

Verband überlebender Frauen, gegründet 1965

FrauenOrt in Ravensbrück

Weiblich, solidarisch, grenzüberschreitend. Frauen vieler Länder, die das KZ Ravensbrück überlebten, schlossen sich nach der Befreiung zusammen. Sie kämpften für die Anerkennung ihrer Erfahrungen und gründeten das Internationale Ravensbrück Komitee.

Das Internationale Ravensbrück Komitee

Das Internationale Ravensbrück Komitee (IRK) gedenkt der inhaftierten Frauen von Ravensbrück. Käthe Niederkirchner, Olga Benario, Germaine Tillion, Aat Breur-Hibma, Wanda Kiedrzyńska – sie sind nur wenige der mehr als 130.000 Frauen aus 40 Nationen, die die SS in das Lager verschleppte.

Einige Frauen hatten in ihren Ländern gegen die Nazis gekämpft. Sie waren Jüdinnen, Sinti*zze oder Rom*nja. Manche wurden als „Asoziale“ oder „Berufsverbrecher“ verfolgt – etwa, weil sie Kinder von verschiedenen Vätern bekommen oder als Hebammen Abtreibungen eingeleitet hatten.

So sehr die Frauen sich unterschieden – sie wurden alle eingesperrt, mit einer Nummer versehen, zur Arbeit gezwungen und erniedrigt. Etwa 28.000 Inhaftierte überlebten Ravensbrück nicht.

Die Stimme erheben für Gerechtigkeit

Am 30. April 1945 befreite die Rote Armee das Lager. Viele der Überlebenden blieben im Kontakt. Sie hörten einander zu, unterstützten sich, gedachten ihrer verstorbenen Kamerad*innen. Und sie machten ihre Erfahrungen bekannt. Nie wieder sollte sich der Terror des NS-Regimes wiederholen.

Bei den Nürnberger Prozessen ab Oktober 1945 traten Ravenbrücker*innen als Zeug*innen auf. Gemeinsam bereiteten sie ihre Aussagen vor. Sie machten damit wichtige Informationen über die Täter*innen und das Regime für die Öffentlichkeit zugänglich.

Eintreten für einen würdigen Gedenkort

Nach der Befreiung nutzte die Rote Armee das Lager als Kaserne. Weite Teile des Geländes verwahrlosten, darunter das Krematorium. Die überlebenden Frauen empörte das. Sie forderten von der DDR-Regierung eine würdige Gedenkstätte.

Die Ravensbrücker*innen schafften es, die Nationale Mahn- und Gedenkstätte mitzugestalten. Jede nationale Haftgruppe bekam einen eigenen Erinnerungsraum. Es entstand ein Museum. Die Frauen riefen Überlebende auf, persönliche Gegenstände zu stiften.

Die DDR-Regierung wollte in der Gedenkstätte vor allem das Leiden der Frauen und ihre Rolle als Mütter und Stifterinnen von Gemeinschaft inszenieren. Die Frauen von Ravensbrück brachten ihre eigene Sicht ein: Im Lager hatten sie im Geheimen Notizen angefertigt, Verstorbene gezeichnet, Miniaturen aus Zahnbürstenhälsen geschnitzt oder ihre Haftnummern auf Taschentücher gestickt. Die geheimen Tätigkeiten und Dokumentationen hatten den Frauen Kraft und Mut gegeben. Im Jahr 1959 wurde die Gedenkstätte eröffnet. Die Tagebücher, Zeichnungen und Handarbeiten der Frauen bildeten den Grundstock der Sammlung.

Gründung zum 20. Jahrestag der Befreiung

Insbesondere die Frauen, die aus politischen Gründen in Ravensbrück inhaftiert waren, sahen die Gedenkstätte nur als Anfang. Am 30. April 1965 gründeten sie offiziell das IRK. Die ehemalige französische Widerstandskämpferin Renée Mirande-Laval wurde erste Präsidentin (1965–1979).

Bis heute organisiert das Komitee Gedenkveranstaltungen und engagiert sich politisch. Es protestierte etwa, als im Jahr 1991 ein Supermarkt neben dem historischen Gelände geplant war. Das IRK beteiligte sich an der Neugestaltung des Areals, nachdem die Rote Armee es verließ.

Das Komitee setzt sich auch dafür ein, dass Denkmäler für die Inhaftieren errichtet und Straßen und Gebäude nach ihnen benannt werden. So erinnern zum Beispiel die Aat-Breur-Hibma-Brücke in Amsterdam, die Bibliothèque Germaine Tillion in Paris und der Karolina-Lanckorońska-Platz in Krakau an die Frauen von Ravensbrück.

Mehr als ein politisches Gremium

Für die im IRK organisierten Frauen bot das Komitee stets auch Raum für Freundschaft und Solidarität. Zu den jährlichen Tagungen treffen sich die Mitglieder abwechselnd in ihren jeweiligen Ländern. Auch zu Zeiten der politischen Trennung Europas ermöglichte das IRK den ehemaligen Gefangenen, auf diese Weise kontinuierlich zusammenzukommen.

Heute setzen die Kinder und Angehörigen verschiedener Ravensbrücker*innen die Arbeit fort. Der anfänglich Fokus auf die Erinnerung an politische Gefangene und deren Familien erweitert sich allmählich um die Perspektiven anderer inhaftierter Frauen, etwa derer, die als „asozial“ verfolgt wurden. Das IRK schafft auch für die Nachkommen einen wichtigen Ort für Austausch und gelebte Solidarität. Die in der Charta festgelegten Grundsätze leiten die Arbeit bis heute. Das Komitee sorgt weiter für eine wachsame Erinnerungskultur in Europa.

„Die Erinnerung an das Leiden und Sterben unserer Kameradinnen und an die Solidarität unter den Häftlingen haben in der lange geplanten Schaffung des Internationalen Ravensbrück Komitees ihren dauerhaften Ausdruck gefunden.“

Dr. Annette Chalut (1)

FrauenOrt Internationales Ravensbrück Komitee

Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Straße der Nationen, 16798 Fürstenberg/Havel

53.190944, 13.163411 / Google Maps / OpenStreetMap

Weiterführende Links & Literatur

Webseite des Internationalen Ravensbrück Komitees

Projekt „KZ-Artefakte“: Digitale Einblicke in die Sammlung der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Downloads

FrauenOrte-Tafel für das Internationale Ravensbrück Komitee (PDF)


Fußnoten & Quellenangaben

  1. Präsidentin des IRK (1999 -2015), 1995