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Marie Goslich

1859–1938 | Fotografin, Schriftstellerin, Malerin und Erzieherin

 

FrauenOrt Marie Goslich: Baumgartenbrück 4/5, 14548 Schwielowsee OT Geltow

 

Eva Marie Elwine Goslich wird am 24. Februar 1859 in Frankfurt an der Oder geboren. Nach dem Besuch der Städtischen Höheren Töchterschule in Frankfurt erlernt sie zunächst die Führung eines Haushalts und erhält dann in Dresden Unterricht in Sprache, Musik und Schneiderei. In Berlin ist sie ab 1883 als Erzieherin und Privatlehrerin für Französisch tätig.

 

Ab 1891 arbeitet sie als Sekretärin in der Redaktion des Verlages „Preußische Jahrbücher“. Ihre journalistische Tätigkeit beginnt mit zwei Publikationen in den Preußischen Jahrbüchern, die 1898 und 1899 veröffentlicht werden. In Berliner Tageszeitungen und illustrierten Zeitschriften wie „Die Mark“, „Körperkultur“, „Vossische Zeitung“ und „Die Zeit“ sind die von ihr verfassten und mit ihren Fotografien illustrierten Artikel zu finden.

 

Fotografische Einblicke in Alltag und Gesellschaft

 

Aus dem vorhandenen Bildmaterial wird angenommen, dass sie um die Jahrhundertwende das Fotografieren erlernt hat. Neben Goslichs Liebe zur märkischen Landschaft sind ihre wesentlichen Motive die Menschen: Wandervolk, Straßenverkäufer, Bettler, Lumpensammler, ruhende Trinker am Straßenrand, spielende Kinder, Freizeitsportler, arbeitende Fischer und ihre Familien. Die 410 Fotoplatten von Marie Goslich, die die Heimatforscherin Lieselotte Herrmann aus Baumgartenbrück über die Zeit gerettet hat, ermöglichen ungeahnte Einblicke in das Alltagsleben Anfang des 20. Jahrhunderts. Viele ihrer Fotografien hat sie als Illustrationen von Reportagen über soziale Missstände und gesellschaftliche Situationen aufgenommen.

 

Journalistisches Engagement

 

1910 heiratet sie den politisch engagierten Schriftsteller Karl Kuhls, mit dem sie 1911 nach Potsdam übersiedelt. Als Marie Kuhls veröffentlicht sie teils mit ihren Fotografien und Zeichnungen illustrierte Artikel als Redaktionsmitglied im „Boten für die christliche Frauenwelt“ in Potsdam. Von 1916 bis 1923 ist sie Schriftleiterin für den, wie er nun heißt, „Boten für die deutsche Frauenwelt“. Mit Adolf Damaschke ist sie aktiv tätig im „Deutschen Bund für Bodenreform“.

 

Ungeklärte Todesumstände

 

In Geltow wohnt Marie Kuhls in der Havelstraße 4. Vom 11. November 1937 bis 19. August 1938 ist Marie Kuhls in der Landesanstalt Brandenburg-Görden untergebracht. Danach wird sie in die Landesheilanstalt Meseritz-Obrawalde überführt. Als Todesjahr wird 1938 angenommen, wobei die Todesumstände ungeklärt sind.

 

Späte Ehrung

 

Auf der Photokina Köln 2010 erhält ihre Fotoausstellung „Poesie der Landstrasse“ wegen der künstlerischen Darstellung und der sozialen Bedeutung den Rang 2 von insgesamt 73 Ausstellungen.