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Gertrud Feiertag groß
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Gertrud Feiertag

1890-1943 | Reformpädagogin und Gründerin des Jüdischen Kinder- und Landschulheims Caputh

 

FrauenOrt Gertrud Feiertag: Jugendhilfezentrum „Gertrud Feiertag“, Am Waldrand, 14548 Schwielowsee OT Caputh

 

Gertrud Feiertag wird am 4. Juli 1890 in Berlin als Tochter des Kaufmanns Alex Feiertag und seiner Ehefrau Rosa, geb. Silber, geboren. Mit ihren drei Geschwistern wächst sie in einem liberalen gutbürgerlichen jüdischen Elternhaus auf und erhält eine klassische humanistische Bildung. Nach dem frühen Tod der Mutter muss die siebzehnjährige Gertrud die Haushaltsführung übernehmen und sich um Büroarbeiten des Vaters kümmern. Deshalb kann sie ihrem Wunsch, Lehrerin zu werden, nicht nachkommen. Einige Jahre später absolviert sie am Berliner „Pestalozzi-Fröbel-Haus“ die Ausbildungen zur Kindergärtnerin und Jugendleiterin. Vor und nach dem Ersten Weltkrieg leitet sie 10 Jahre lang das „Jüdische Erholungsheim der Zionsloge auf Norderney“.

 

Eröffnung des „Kinderlandheim Caputh“

 

Am 1. Mai 1931 eröffnet Gertrud Feiertag das „Kinderlandheim Caputh“, in dem zunächst Kinder aus zerrütteten Familien aufgenommen werden. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 wird das Heim ab 1936 zum „Jüdischen Kinder- und Landschulheim Caputh“, das zeitweise bis zu hundert jüdischen Kindern und Jugendlichen Zuflucht bietet. Gertrud Feiertag schafft es, mit ihrer in der damaligen Zeit ungewöhnlich fortschrittlichen Pädagogik mit den Kindern und dem Lehrpersonal einen Lebensraum zu gestalten, der sich durch gemeinsames Leben und Lernen auszeichnet. Die ganzheitliche Betreuung der Kinder, die von reformpädagogischen Ansätzen geprägt ist, findet ihren Ausdruck in Naturverbundenheit und einem vielfältigen kulturellen Schaffen.

 

Bedrohung und Vertreibung

 

Während das Heim zur Olympiade 1936 noch ausländischen Gästen als ein Beispiel jüdisch-autonomer Erziehung vorgeführt wird, überfallen Nationalsozialisten am Morgen nach der Pogromnacht vom 9. November 1938 das Haus, bedrohen und vertreiben die Bewohnerinnen und Bewohner. Am 26. Februar 1939 muss Gertrud Feiertag das Landschulheim endgültig aufgeben. Danach arbeitet sie in Berlin bei jüdischen Hilfsvereinen und kümmert sich weiterhin um einige der aus Caputh vertriebenen Kinder. Sie beteiligt sich an der Organisation der „Kindertransporte“ von Deutschland nach England. Jeden Gedanken, selbst auszuwandern, lehnt sie ab.

 

Am 17. Mai 1943 wird Gertrud Feiertag mit dem 38. Osttransport aus Berlin nach Theresienstadt deportiert. Von dort wird sie nach Auschwitz-Birkenau gebracht. Ihr letztes Lebenszeichen datiert vom Spätsommer 1943.