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Baral quer
Zitat Baral

Anne Marie Baral

1728-1805 | Seidenkultivateurin, Hasplerin, Ausbilderin

 

FrauenOrt Anne Marie Baral: Justizzentrum Potsdam, Jägerallee 10-12, 14459 Potsdam

 

Anne Marie Laval wird 1728 als Tochter französischer Glaubensflüchtlinge geboren. 1746 zieht sie nach Potsdam und heiratet den Beuteltuchmacher Jean Pierre Baral. Das Paar muss sich mit Gelegenheitsarbeiten durchschlagen. Glück, Geschick und ihre hugenottische Herkunft verhelfen Anne Marie zu einer gut dotierten Anstellung auf den Maulbeerplantagen des Waisenhauses, mit der sie sich und ihre Kinder auch nach dem Tod ihres Mannes ernähren kann. In den Folgejahren kultiviert und haspelt sie nicht nur Seide und bildet Lehrlinge aus, ihr wird 1789 sogar ein Posten auf dem Jägerhof angeboten. Diese Mehrfachqualifikation macht Anne Marie Baral landesweit zur Spitzenverdienerin im Seidenbau mit 150 Talern Jahresgehalt.

 

Seidenbau in Brandenburg


Beim Jägerhof handelt es sich um die vom Großen Kurfürsten angelegte Fasanerie im Norden von Potsdam (heute: Justizzentrum). Mitte des 18. Jahrhunderts entsteht daraus eine als Jägerhof bekannte Seidenbau-Musteranstalt. Männer und Frauen aus der Kur-, Alt- und Neumark sollen hier im Seidenbau ausgebildet werden. Doch das Interesse ist nur gering, denn der Seidenbau in Brandenburg ist mühsam und wird durch ungünstige klimatische Voraussetzungen erschwert. Das unter Friedrich II. ausgegebene Ziel, Brandenburg von ausländischen Seidenimporten unabhängig zu machen, kann nur zu einem Bruchteil erfüllt werden.

 

Nach anfänglichen Erfolgen muss auch Anne Marie Baral bei ihrem Seidenbau Rückschläge verkraften. 1793 gibt sie den Seidenbau aus Altersgründen auf, darf aber bis zu ihrem Lebensende 1805 auf dem Jägerhof wohnen bleiben.