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Regine Hildebrandt

1941-2001 | Politikerin

 

FrauenOrt Regine Hildebrandt: Karl-Liebknecht-Straße 9, 15890 Eisenhüttenstadt

 

Am 26. April 1941 wird Regine Radischewski in Berlin geboren. Von 1959 bis 1964 studiert sie in ihrer Heimatstadt Biologie und promoviert 1968. Ab 1964 arbeitet sie beim VEB Berlin-Chemie in Adlershof, zunächst in der Qualitätskontrolle, später in der Diabetesforschung. Von 1978 bis 1990 ist sie in der Berliner Zentralstelle für Diabetes und Stoffwechselkrankheiten tätig. 1966 heiraten Regine und Jörg Hildebrandt, den sie seit ihrer Kindheit kennt, und bekommen drei Kinder.

 

1989 engagiert sie sich in der Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“ und wird nach der Gründung der Sozialdemokratischen Partei der DDR (SDP) deren Mitglied. Von April bis August 1990 ist Regine Hildebrandt Ministerin für Arbeit und Soziales in der ersten frei gewählten Regierung der DDR. Ebenfalls 1990 wird sie in den SPD-Bundesvorstand gewählt. Im September 1990 wird sie Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen des Landes Brandenburg und übt dieses Amt bis September 1999 aus.

 

Die Sanierung von Altenheimen, neue Träger für soziale Einrichtungen zu finden, die Polikliniken (Gesundheitszentren) zu erhalten, bei der Abwicklung zahlloser Betriebe das Schlimmste zu verhindern, bessere Krebsfrüherkennung und intensivere Grundlagenforschung, Arbeit für alle, würdige Lebensumstände für Alte, Kranke, Schwache, Menschen mit Behinderungen, gleiche Chancen und gleiche Löhne für Männer und Frauen sind ihre Arbeitsschwerpunkte.

 

Der geplanten rot-schwarzen Koalition widerstrebend steigt sie im September 1999 aus der Landespolitik aus und gibt auch ihr Direktmandat aus dem Wahlkreis Elbe-Elster zurück. Im „Forum Ostdeutschland“ und im Bundesvorstand der SPD streitet sie unbeirrt weiter für die Annäherung von Ost und West. Im März 2001 wird ihr das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für ihren „Politikstil, der Menschen mitreißt“ verliehen.

 

Ihr christlicher Glaube erlaubt ihr ihre fröhliche Weltsicht, und die Prägung durch die kargen Nachkriegsjahre lässt sie ernsthaft und gerecht sein. Seit 1961 ist sie Chorsängerin der Berliner Domkantorei. Die Familie ist ihr Kraftquell. So ist es nur konsequent, dass sie nach dem Ausbruch ihrer Krebserkrankung (1996) nach Woltersdorf bei Berlin in ein Viergenerationenhaus mit der Familie umzieht. Glücklich ist sie, wenn sie Vögel und Sterne beobachten kann, mit der Familie bastelt und wandert, Mineralien sammelt, schwimmt, singt, musiziert. Am 26. November 2001 stirbt Regine Hildebrandt in Woltersdorf.