hintergrundkarte
Pufahl Zitat

Emma Pufahl

1907-1994 | Schleusenwärterin

 

FrauenOrte Emma Pufahl: Bahnhofstraße gegenüber Haus Nr. 1, 15711 Königs Wusterhausen

 

Adolf Pufahl wird 1959 Schleusenwärter in Königs Wusterhausen. Von Anfang an geht ihm seine Frau Emma zur Hand. Und als Adolf 1965 stirbt, übernimmt Emma die Arbeit ganz. Sie erhält dafür als Ungelernte einen Stundenlohn von 2,01 Mark. So setzt sich die über 60-jährige noch einmal auf die Schulbank. Als einzige Frau unter 24 Männern erwirbt sie 1972, mit 65 Jahren, ihren Berufsabschluss als Facharbeiterin für Wasserbautechnik und darf sich nun ganz offiziell Schleusenwärterin nennen. Erst viele Jahre später geht sie in Rente und ist zu dieser Zeit die älteste aller Schleusenwärter im Land.

 

Leben im Schleusenwärterhaus

 

Emma Pufahl wohnt erst mit ihrem Mann und später allein im Schleusenwärterhaus neben der alten Badeanstalt und der Mühle in der Schlossstraße. Im Erdgeschoss gibt es drei Wohnräume und eine Küche mit Kohleheizung, dazu einen Abstell- und einen Dienstraum. Die Toilette befindet sich auf dem Hof und darf auch von anderen Wasseramtsmitarbeitern benutzt werden. Zum Haus gehört ein 900 Quadratmeter großer Garten, in dem Emma Pufahl Blumen und Sträucher heranzieht, mit denen sie auf staatliche Anordnung hin die Grünflächen neben der Schleuse bepflanzt.

 

Königs Wusterhausener Original

 

Emma Pufahl ist ein Königs Wusterhausener Original. 30 Jahre schleust sie Wassersportlerinnen und Freizeitkapitäne mit ihren Booten durch die Schleuse der Innenstadt. „Emma, mach die Tore auf“, rufen die Ankommenden, und Emma öffnet - noch mit der Handkurbel - die schweren hölzernen Schleusentore. Erst seit 1984 wird die Schleuse an der Schlossstraße elektrisch betrieben. Und obwohl von Amts wegen außerhalb der Schleusenöffnungszeiten nur geschleust werden darf, wenn mindestens sechs Boote auf „Reede“ liegen, drückt Emma oft ein Auge zu und lässt die Bootsleute umgehend passieren.

 

Ungewisse Zukunft

 

Emma Pufahls Nachfolger ist der letzte Schleusenwärter, der mit seiner Familie in dem Schleusenwärterhaus wohnt. Nach seinem Auszug 2006 steht das Haus leer. Erst nach der Umgestaltung der Mühleninsel, an deren Zugang das Gebäude steht, zum Park mit Wasserspielplatz für die Kinder im Jahr 2008 beginnt der inzwischen private Eigentümer, das Haus Stück für Stück im alten Charme wieder herzurichten und zu beleben. Zum Zeitpunkt der Enthüllung dieser Tafel steht das Haus wieder zum Verkauf und seine Zukunft ist ungewiss.