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Erna Kretschmann

1912-2001 | Naturschützerin, Pazifistin und Politikerin

 

FrauenOrt Erna Kretschmann: Haus der Naturpflege, Dr.-Max-Kienitz-Weg 2, 16259 Bad Freienwalde

 

Erna Scherff wird am 12. November 1912 in Bollinken bei Stettin geboren. Ab 1930 macht sie eine Ausbildung zur Kindergärtnerin und arbeitet in diesem Beruf. 1935 schließt sie ihre erste Ehe und bekommt zwei Kinder; 1942 heiratet sie mittels Ferntrauung den Sanitäter Kurt Kretschmann, der von ihr unterstützt 1945 desertiert und untertaucht.

 

Kreisrätin für Volksbildung

 

1946 tritt Erna Kretschmann in die KPD ein und wird Kreisrätin für Volksbildung. Sie arbeitet in verschiedenen Fachausschüssen für Landschaftsgestaltung und Naturschutz mit. Von 1960 bis 1964 ist sie Bezirkssekretärin für Natur und Heimat beim Kulturbund Frankfurt/Oder.

 

Eine Instanz des Naturschutzes in der DDR

 

Erna Kretschmann vertritt und gestaltet Naturschutz auf ganz unterschiedlichen Ebenen und verknüpft das private mit dem öffentlichen Handeln. In den Jahren 1950 und 1951 reist das Ehepaar Kretschmann mit einem umfunktionierten alten Möbelwagen quer durch Brandenburg. An Bord haben sie eine Naturschutzausstellung. Wo sie Station machen, halten sie Vorträge und bieten praktische Hilfe an. Die beiden werden zu festen Instanzen beim Aufbau des Naturschutzes in der DDR. Mit wenig Geld und sehr viel Idealismus schaffen sie Räume für angewandte Naturpflege, die sich zu Treffpunkten für Menschen, die sich bilden und konkret handeln wollen, entwickeln. Einen leerstehenden Bauernhof in einem Vogelschutzgebiet an der Müritz bauen sie in den 1950er Jahren gemeinsam mit dem Mecklenburger Naturschützer Karl Bartels zu einer Lehrstätte für praktischen Naturschutz aus. 1955 veröffentlicht Erna Kretschmann das Buch „Naturdenkmäler. 1960 lässt sich das Ehepaar ganzjährig in Bad Freienwalde nieder und gründet das Haus der Naturpflege. Matthias Platzeck sagte über Erna: „Sie ist stets voller Anregungen, sie vermittelt und verbindet Naturschützer, Kulturschaffende sowie anders bewegte Menschen, richtet bei aufkommenden Schwierigkeiten auf und verliert dabei die Persönlichkeit ihres Gegenübers nicht aus den Augen.

 

Verbreitung des fünfeckigen Eulen-Symbols

 

Kurt Kretschmann entwickelt im Wirken und der Auseinandersetzung mit Gleichgesinnten das fünfeckige Eulen-Symbol auf gelbem Grund als Zeichen für Schutzgebiete - er und Erna Kretschmann sorgen dafür, es DDR-weit zu verbreiten. Die 36. Umweltministerkonferenz empfiehlt 1991, das Eulensymbol künftig in ganz Deutschland zur Kennzeichnung von Naturschutzgebieten zu verwenden. Diese Empfehlung wird allerdings von den Bundesländern, in deren Zuständigkeit die Umweltpolitik liegt, nicht einheitlich umgesetzt.

 

Zahlreiche Auszeichnungen

 

Für ihre Arbeit erhält Erna zahlreiche Auszeichnungen, so 1989 die Ehrenmedaille zum 40. Jahrestag der DDR, 1993 den Europäischen Umweltpreis und 1998 die Goldene Ehrennadel des NABU. Die Erna-und-Kurt-Kretschmann-Oberschule in Bad Freienwalde trägt ihren Namen und sie ist Ehrenbürgerin der Stadt.

 

Erna bleibt bis an ihr Lebensende eine wache Beobachterin, die die Entwicklungen der Zeit kritisch begleitet, um daraus Rückschlüsse für das eigene verantwortliche Tun abzuleiten. Am 6. Januar 2001 stirbt Erna Kretschmann und wird in Bad Freienwalde bestattet.