hintergrundkarte
Schwieger
Zitat Schwieger

Anna-Liese Schwieger

1899-1974 | Lehrerin und Politikerin

 

FrauenOrt Anna-Liese Schwieger: Vorplatz der Kleinen Galerie "Hans Nadler", Hauptstraße 29, 04910 Elsterwerda

 

Anna-Liese Friederike Auguste, Tochter des Kaufmanns William Müller und seiner Ehefrau Marie, geborene Schumacher, wird am 4. Mai 1899 in Rostock geboren. Ihre Erziehung ist christlich-bürgerlich. 1934 heiratet sie den Studienrat Friedrich Wilhelm Schwieger in Salzwedel. Da ihr Mann sich weigert, Mitglied der NSDAP zu werden, wird er 1935 aus Halberstadt nach Elsterwerda strafversetzt. Dort kann auch sie von 1941 bis 1945 wegen Lehrermangels unterrichten.

 

Engagiert für die Gleichberechtigung von Frauen

 

Nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur beginnt Anna-Liese Schwieger, sich politisch zu engagieren. Sie steht Frauen bei, die in Folge des Krieges ihre Kinder allein erziehen müssen und engagiert sich besonders für die Gleichberechtigung der Frauen. Sie ist 1947 Gründungsmitglied und Vorsitzende der Ortsgruppe Elsterwerda des Demokratischen Frauenbundes Deutschlands (DFD), bei dessen Gründung die Delegierten gelobten, „in schwesterlicher Verbundenheit über Weltanschauung, Konfession und Beruf hinweg zu helfen, Militarismus und Faschismus völlig auszumerzen und das Sehnen der Menschen nach dauerhaftem Frieden zu verwirklichen“. Nach der Kommunalwahl 1950 übernimmt sie den Vorsitz des Sozialausschusses im Stadtparlament und arbeitet ehrenamtlich in der Jugendhilfe-Kommission.

 

Autodidaktische Lehrerin

 

Ab 1950 ist sie als Lehrerin an der Grundschule Elsterwerda-Biehla tätig. Die Kenntnisse dafür hat sie sich im Selbststudium angeeignet und 1955 ihre Lehrerprüfung abgelegt. Sie will jedem Kind  zu seiner vollen Entfaltung verhelfen. Die Kinder nennen sie liebevoll „Schwieger-Mama“.

 

Parteipolitisches Engagement

 

1952 findet Anna-Liese Schwieger ihre parteipolitische Heimat in der Christlich Demokratischen Union (CDU). Sie wird Vorsitzende der Ortsgruppe der CDU, wirkt im Kreisvorstand der CDU und als Mitglied des Kreistages. Bei den Wahlen zur Volkskammer der DDR am 16. November 1958 wird sie als Nachfolgekandidatin gewählt.

 

Für ihr engagiertes soziales und politisches Wirken erhält Anna-Liese Schwieger zahlreiche Auszeichnungen, darunter auch am 7. März 1957 die Clara-Zetkin-Medaille als Anerkennung für hervorragende Leistungen bei der Entwicklung der Frauenbewegung.

 

Literarische und künstlerische Wissensvermittlung

 

Das klassische Weimar sowie Kunstausstellungen in Dresden, Leipzig und Halle sind wiederholtes Reiseziel des Ehepaares Schwieger. Ihr reiches literarisches und künstlerisches Wissen geben sie an interessierte Menschen in der Region weiter. Anna-Liese Schwieger organisiert dafür auch Veranstaltungen in der CDU-Ortsgruppe. Schüler und Lehrer dürfen die umfangreiche Privatbibliothek des Ehepaares nutzen.

 

Der Tod ihres Mannes 1969 trifft Anna-Liese Schwieger zutiefst. Mit ihm verliert sie einen verständnisvollen, hochgebildeten geistigen Partner. Fünf Jahre später, am 9. Juni 1974, stirbt auch Anna-Liese Schwieger. Sie wird neben ihrem Ehemann auf dem Bergfriedhof in Elsterwerda beigesetzt.