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Löwendal
Löwendal

Benedicta Margaretha Freifrau von Löwendal

1683-1776 | Eisenhüttenbesitzerin

 

FrauenOrt Benedicta Margaretha Freifrau von Löwendal: Haupteingang Schlosspark, Alter Markt, 01979 Lauchhammer

 

Benedicta Margaretha wird 1683 als Tochter des Cai von Rantzau und seiner Ehefrau Catharina von Blome auf Gut Neuhaus bei Giekau (Ostholstein) geboren. Am 29. Januar 1709 heiratet sie den Oberhofmarschall und Oberbergratsdirektor am Hof August des Starken Ulrich Friedrich Woldemar Freiherr von Löwendal. Die Eheleute bekommen vier Kinder, die alle früh sterben. Benedicta sorgt für die sechs Kinder ihres Mannes aus seiner ersten Ehe und nimmt dazu noch zur Pflege die Kinder von Gräfin von Cosel und August dem Starken auf.

 

Gutsbesitzerin

 

1718 wird Benedicta Besitzerin des Rittergutes Mückenberg, das 1722 in ein Allodial-Rittergut umgewandelt wird. Dabei handelt es sich nach frühneuzeitlichem Recht um Besitz, über den sie frei verfügen kann und darf. Das Gebiet um das Rittergut ist sumpfig. Die Landwirtschaft ist auf den sandigen Böden wenig ertragreich, eine Viehhaltung auf den häufig unter Wasser stehenden und deshalb sauren Wiesen nicht möglich. Deshalb will sie zur Schaffung neuer Erwerbsquellen für sich und ihre Untertanen einen Holzhandel mit den reichen Kieferbeständen aufbauen und plant 1723 die Anlage einer Brett- oder Schneidemühle, das ist ein wasserbetriebenes Sägewerk, obwohl die Neuanlage seit 1699 verboten ist.

 

Entdeckung von Raseneisenstein und Gründung eines Eisenhammerwerkes

 

Bei Grabungen zur Anlage der Brettmühle wird ein Erz - Raseneisenstein - entdeckt. Woldemar rät an Stelle der Brettmühle zur Anlegung eines Eisenhammerwerkes und Benedicta gründet den Lauch(=Sumpf)hammer. Zu den ersten praktischen Aufgaben gehören die Festlegung des Standortes für einen Hochofen, die Klärung der Wasserzufuhr und die Trockenlegung versumpften Terrains. Am 17. Juli 1725 erhält sie mit der Unterzeichnung eines Dokuments über das „Privilegium über das Hammerwerk zu Mückenberg“ durch August II. die Genehmigung zur Anlage eines Hochofen- und Hüttensystems, das am 25. August 1725 mit dem Anblasen eines Hochofens startet.

 

Die erteilte Konzession beinhaltet neben der Erlaubnis zur Errichtung von Anlagen zur Produktion von Eisen und Draht das Recht zu mahlen, zu brauen, Branntwein zu brennen, zu schlachten und mit Lebensmitteln zu handeln. Die Gießerei stellt für die eigenen Hammerwerke Gegenstände wie Ambosse, Hämmer, Herdplatten und Gebrauchswerkzeuge für die Arbeiter her. Die Stabhütten produzieren Platten, Rund- oder auch Stabeisen und Barren als Rohlinge. Für die Bevölkerung fertigt das Unternehmen Gebrauchsgegenstände für den Alltag wie Töpfe, Pfannen, Kessel, Röhren und auch Kaminplatten aus Gusseisen sowie gusseiserne Öfen. Für die Landwirtschaft stellen die Stabhütten äußerst nützliche Gegenstände zur Verfügung: Wagenreifen, Achsen, Schienen, Pflugschare. Aber nicht zu vergessen - auch Kanonenkugeln werden hergestellt.

 

Erfolgreiche Unternehmerin und Hilfe zur Selbsthilfe

 

Freifrau von Löwendal entfaltet mit persönlicher Energie und Risikobereitschaft ein Unternehmertum, das relativ rasch dafür sorgt, die Lage der Bevölkerung ihres Gutsbezirks nachhaltig und spürbar zu verbessern. Sie unterstützt nicht nur ihre Untertanen durch direkte Hilfe, sondern auch durch Hilfe zur Selbsthilfe. Sie schafft Dauerarbeitsplätze, baut ein intaktes System der betrieblichen Selbstversorgung auf, stellt Betriebswohnungen bereit, fördert Schulbildung, erbaut 1746 die Schlosskirche und beschützt die Bevölkerung, so gut es möglich ist. Sie führt das Eisengussunternehmen 51 Jahre lang. Nach ihrem Tod am 26. Juli 1776 wird sie in der Familiengruft in der Nikolaikirche (zu Bockwitz) in Lauchhammer beigesetzt. Das Unternehmen wird von ihrem Erben Detlev Carl Graf von Einsiedel weitergeführt.