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Johanna Louise Pirl

1733-1810 | Glashüttenbesitzerin

 

FrauenOrt Johanna Louise Pirl: Seestraße gegenüber Nr. 10a, 16775 Großwoltersdorf OT Altglobsow

 

Der Eintrag über Johanna Louise Heinze im Taufregister in Neuendorf datiert vom 5. Juli 1733. Zu dieser Zeit arbeitet ihr Vater, Johann Peter Heinze aus Thüringen, in der Glashütte auf dem Hakendamm in Potsdam. Mit den Ersparnissen von 2000 Talern und dem großen Wunsch jedes Glasmachers, eine eigene Glashütte zu bewirtschaften, bekommt er diese Möglichkeit in der wüsten Mark Globsow, dem heutigen Altglobsow. Die Glashütte wurde oberhalb dieser Tafel auf dem Hügel erbaut. Schon nach zwei Jahren ist das Geld verbraucht und Heinze gerät in finanzielle Schwierigkeiten. Aus Gram darüber stirbt er 1753.

 

Begehrte Glaswaren

 

Friedrich Gottlieb Pirl wird als neuer Verwalter von Amtmann Stropp eingesetzt. 1754 heiratet Pirl Johanna Louise und ihre Tochter Johanna Friederike wird geboren. Friedrich Pirl stirbt im Jahr 1773 und danach wird die „Witwe Pirl“ als Unternehmerin mit ungeheuerer Energie erwähnt, die erfolgreich die Glashütte weiterführt. Sie setzt sich über ablaufende Konzessionen hinweg und ist mit dem Apothekenglas für die Waisenhausapotheke der „Franckeschen Stiftungen zu Halle“ bald gut im Geschäft. Ihr Name hat Gewicht und die mit „GLOBSO“ gemarkten Glasbouteillen sind begehrt, nicht nur in Halle.

 

Expansion der Glashütte

 

Die Holzverknappung zwingt sie, die Glashütte 1779 an den Dagowsee zu verlegen. Weil Globsowsches Glas ein guter Name für Glaswaren ist, wird aus dem kleinen Glasmacherdorf am Dagow „Neuglobsow“. Johanna Louise Pirl aber will mehr. Sie hat das Durchsetzungsvermögen und die Kraft, eine weitere Glashütte in Steinförde an der Havel zu errichten. Dass Steinförde in Mecklenburg liegt, ist ihr sehr recht. So kann sie das Zollgesetz umgehen und sie kann Holz als Grundlage für die Feuerung in Mecklenburg kaufen. Die Glashütte liegt direkt an der Havel und damit ist der Transportweg nach Berlin, Hamburg, Halle und anderen Orten geebnet.

 

Ein Forstgesetz aus dem Jahr 1787 verbietet die Feuerung mit Holz in Glashütten. In Neuglobsow kann Torf diese Lücke schließen, aber zusätzlich lässt sie deshalb 1790 in Friedrichsthal bei Oranienburg eine weitere Glashütte bauen, die mit Steinkohle beheizt werden soll. Auch Friedrichsthal liegt an der Havel, das ist für den Transport der Steinkohle aus Schlesien außerordentlich wichtig. Um Glaswaren in Warschau zu verkaufen, baut sie in Neufriedrichsthal in Posen, heute Ujscie, ihre letzte Glashütte.

 

Der Mythos um die „Witwe Pirl“

 

Als Johanna Louise Pirl 1810 in Friedrichsthal stirbt, lebt der Mythos um die „Witwe Pirl“ noch lange weiter. In Sagen und Geschichten um Globsow gilt der Ruf der Mütter, wenn sich der Nebel wabernd auf die Wiesen legt, „Kinder kommt rein, die Alte ist wieder unterwegs“, der weißen Frau von Globsow, der Madame Pirl.