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Simson
Simson Zitat

Clara von Simson

1897-1983 | Naturwissenschaftlerin und Politikerin

 

FrauenOrt Clara von Simson: Schwielowseestraße 72, 14548 Schwielowsee OT Caputh 

 

Am 4. Oktober 1897 wird Clara von Simson in Rom geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbringt sie überwiegend im „Haus Seehof" in Caputh, dem Sommerhaus und späteren Dauersitz der großbürgerlichen liberalen Familie.

 

Zerstörte wissenschaftliche Karriere durch den Nationalsozialismus

 

Von 1918 bis 1923 studiert Clara in Heidelberg und Berlin Physik und Chemie und promoviert zum Thema „Röntgenuntersuchungen an Amalgamen. Zunächst arbeitet sie als Assistentin am Physikalisch-Chemischen Institut. Später setzt sie ihre wissenschaftliche Tätigkeit mit Vorträgen und Veröffentlichungen fort, doch zerstört die Machtübernahme der Nazis jede Hoffnung auf eine wissenschaftliche Karriere. Ihre zum Teil nichtarische Abstammung – ihr Urgroßvater war der Reichstags- und Reichsgerichtspräsident Eduard von Simson – verrät sich schon in ihrem Namen und so untersagt ihr schließlich der Rektor der Universität im November 1938 die weitere Teilnahme am Physikalischen Colloquium ihres Lehrers Max von Laue. Während des Krieges ist sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Patentanwälte Wüsthoff in Berlin tätig und wohnt in Caputh.

 

Engagement in der Frauen- und Friedensbewegung

 

Nach 1945 arbeitet sie mit Freda Wüsthoff in der Frauen- und Friedensbewegung und protestiert gegen Atomwaffen. 1947 erhält Clara eine Anstellung als Oberingenieur an der Technischen Universität Berlin, habilitiert sich 1951 hier als erste Frau in Physik und erhält den Titel einer Privatdozentin. Von 1952 bis 1963 ist sie Direktorin des Lette-Vereins in Berlin. Dort leitet sie den Wiederaufbau der Gebäude und schafft die Grundlagen für eine moderne Ausbildung. Sie setzt sich frühzeitig für die Förderung von Mädchen in natur- und technikwissenschaftlichen Berufen ein.

 

Mitglied der FDP

 

1949 tritt sie in die FDP ein und ist von 1963 bis 1971 Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses. 1958 wird sie Mitglied und von 1969 bis 1977 Vorsitzende des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung. 

 

Den Gesamtzusammenhang der Dinge erkennen

 

Clara von Simson vereint in ihrer Person Talente und Fähigkeiten, die sie in die Lage versetzen, über ihre eigenen Interessen hinaus den Gesamtzusammenhang der Dinge zu erkennen und entsprechend zu handeln. Sie erhält viele Ehrungen und Auszeichnungen. Am 26. Januar 1983 stirbt Clara von Simson. Als Stadtälteste wird sie in einem Ehrengrab in Berlin beigesetzt. Die TU Berlin verleiht seit 2007 zu ihrer Ehrung jährlich den Clara-von-Simson-Preis für die besten Abschlussarbeiten von Studentinnen vor allem der Natur- und Technikwissenschaften.