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Else Weil

1889-1942 | Ärztin

 

FrauenOrt Else Weil: Ratskeller Rheinsberg, Markt 1, 16831 Rheinsberg

 

Else Weil wird am 19. Juni 1889 als Tochter jüdischer Eltern in Berlin geboren. Nach dem Abitur studiert sie Medizin an der Königlichen Friedrich Wilhelms Universität zu Berlin. Im August 1911 reist die junge Studentin gemeinsam mit ihrem Freund Kurt Tucholsky nach Rheinsberg, um hier ihre Zweisamkeit zu genießen. Kurze Zeit später wird das romantische Wochenende zur Vorlage einer Liebeserzählung und das Buch zu einer unglaublichen Erfolgsgeschichte – die Geschichte von „Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte“.

 

Verkörperung eines neuen Frauenbildes

 

Else Weil ist erheblich am Erfolg des Büchleins beteiligt, denn es ist die Figur der Claire, die die Atmosphäre der Erzählung von Kurt Tucholsky entscheidend prägt. Als fortschrittliche und emanzipierte Persönlichkeit verkörpert sie damals ein sensationell neues Frauenbild.

 

Eine der ersten Medizinstudentinnen und erste Frau von Tucholsky

 

Else Weil ist eine der ersten Medizinstudentinnen in Preußen. 1917 erhält sie die Zulassung als Ärztin und promoviert zum Doktor der Medizin. Kurt Tucholsky ist fasziniert von dem Selbstbewusstsein und der modernen Art Else Weils und heiratet sie 1920. Nach vier Jahren scheitert die Ehe an der Unbeständigkeit Tucholskys.

 

Flucht und Deportation

 

Als Else Weil im Dezember 1933 wegen ihrer jüdischen Herkunft die kassenärztliche Zulassung entzogen wird, nimmt sie Gelegenheitsarbeiten als Sekretärin und Kinderfrau an. Im Herbst 1938 entscheidet sie sich zur Emigration und flüchtet nach Frankreich. Drei Jahre später wird sie als Staatenlose bei einer Razzia aufgegriffen und ausgeliefert. Am 11. September 1942 erreicht ein Transport, in dem sich auch Else Weil befindet, das Vernichtungslager Auschwitz. Auf der Liste der Deportierten ist sie unter der Nummer 49 aufgeführt: „Weil, Else, 19.06.1889, Berlin, Ex-Deutsche, Ärztin“.